Telefon und ISDN


Prof. Jürgen Plate

1 Einführung in die Telefon-Anschlußtechnik

1.1 Was darf man alles?

Eigene Aktivitäten auf dem Gebiet des öffentlichen Telefonnetzes sind erst möglich, seit die Deutsche Bundespost-Telekom ihr Monopol der Endgeräte-Installation ("Endgerät" ist z. B. Ihr ganz gewöhnlicher Telefonapparat) am 1. Januar 1992 im ganzen Bundesgebiet aufgegeben hat.

Sie dürfen aber Ihren Telefonapparat nicht eigenhändig abschrauben, sondern müssen erst von der Telekom eine Telefonsteckdose installieren lassen, sofern Sie eine solche Dose nicht schon besitzen. An diese Dose können Sie dann beliebige zugelassene Telefone, Modems, Anrufbeantworter oder Telefaxgeräte anschließen; darüber sollen Sie in diesem Kapitel mehr erfahren.

Gegenüber früher sind heute im begrenzten Rahmen auch private Eingriffe in die Telefonanlage möglich. Dazu muß aber auf jeden Fall von der Telekom eine TAE-Dose mit dem sogenannten "passiven Prüfabschluß" angeschlossen sein. Ein direkter Zugriff auf die Leitungsdrähte ist nach wie vor verboten. Der Prüfabschluß (NTA Network Termination Analog) gestattet der Telekom den Test der Leitung bis zur Dose, sie kann somit feststellen, ob ein Fehler an der Postleitung oder an den privaten "Endeinrichtungen" liegt.

Damit ist aber noch nicht gesagt, daß Sie nun jedes Gerät anschließen dürfen, das im Handel erhältlich ist. Es dürfen nur Telefone, Modems, Faxe etc. angeschlossen werden, die eine Zulassung vom "Bundesamt für Zulassungen in der Telekommunikation" (BZT) haben. Auf den Geräten befindet sich ein Zulassungsaufkleber, der entweder ein Posthörnchen (alt) oder einen Bundesadler (neu) und eine Zulassungsnummer trägt.

1.2 TAE- und Western-Anschlüsse

Zunächst ein paar allgemeine Tips zur Telefontechnik, speziell zum Anschluß der TAE-Dosen (TAE = Telekommunikations-Anschluß-Einheit), eine Dose mit sechspoliger Flachsteckerbuchse. Diese erste Dose liegt im Bereich des Monopols der Telekom, sie ist also tabu! Alle Zusatzeinrichtungen werden per Stecker an diese Dose angeschlossen.

Im übrigen macht TAE alles viel einfacher. Jede Dose hat Zuleitungen und Ausgangsleitungen, so daß sich mehrere Dosen hintereinanderschalten lassen (z. B. im Flur, Wohnzimmer und Schlafzimmer). Beim Einstecken des TAE-Steckers wird die Verbindung zu nachfolgenden Dosen unterbrochen, Mithören ist also ausgeschlossen. Die TAE-Dosen und -Stecker gibt es mit zwei Codierungen, F für Fernsprecher und N für alle anderen Endeinrichtungen (Modem, usw.). Neben der Einfachdose gibt es auch Mehrfachdosen. Die Stecker sind durch Nuten unterschiedlich codiert, damit keine Verwechselungen entstehen können. Von den sechs Polen des TAE-F-Steckers sind nur vier beschaltet.

Die N+F+N-Dose ist intern so verschaltet, daß alle Geräte hintereinanderliegen, wobei das Telefon das letzte Glied der Kette ist. Wird ein Stecker eingesteckt, trennt er zwei interne Kontakte, die sonst die Signale zur folgenden Dose durchschalten. In den Modems steckt ein Relais, das die Verbindung zum Telefon durchschaltet, wenn das Gerät sich in Ruhe befindet. Erst bei Aktivierung schaltet sich das Gerät auf die Leitung. Wird der Stecker eines Endgeräts herausgezogen, sorgen die Kontakte in der Dose für die Verbindung. Die Beschaltung der Klemmen ist:

Die Beschaltung des TAE-N-Steckers unterscheidet sich vom F-Stecker, da hier das Signal durch das angeschlossene Gerät durchgeschleift wird. Beim Herausziehen des Steckers sind die jeweils gegenüberliegenden Anschlüsse durch die Schaltkontakte in der Dose miteinander verbunden.

Wie man sieht, klappt es nicht, wenn man bei einem F-Stecker die Codierungsnasen wegschneidet und ihn in eine N-Dose steckt, das "Durchschleifen" funktioniert dann nicht. Bei älteren Modems oder solchen nach amerikanischer Bauart gibt es oft zwei Buchsen an der Rückseite, eine "Line"-Buchse und eine "Phone"-Buchse. Hier hilft nur ein (eventuell selbstgefertigtes) Y-Kabel, das die "Line"-Anschlüsse mit a und b verbindet und die "Phone"-Anschlüsse mit a2 und b2.

Die Dosen haben Eingangs- und Ausgangsleitungen: Bei La, Lb geht es rein, und bei a2, b2 werden nachfolgende Dosen angeschlossen.

Wenn Sie sich die Schaltung genau ansehen, dann führt die Amtsleitung zur linken N-Buchse. Von dort führen die Leitungen in der Dose zum rechten N-Anschluß und dieser dann zur F-Buchse in der Mitte. Erst von dort aus geht es weiter zur nächsten Dose. Die Zusatzgeräte sind also vor dem Telefon angeordnet. Das ist wichtig, denn sie schalten sich ja auf die Leitung oder schleifen die Verbindung durch, wogegen ein eingestecktes Telefon (F-Buchse) die Verbindung zu den folgenden Anschlüssen unterbricht.

An sich spielt die Reihenfolge, in der Sie N-Geräte anschließen, keine Rolle, lediglich ein Gebührenanzeiger sollte direkt hinter der Amtsleitung, also als erstes Gerät der Kette, angeschlossen sein. Der Gebührenimpuls (16-kHz-Signal) wird im Gebührenanzeiger unterdrückt und gelangt nicht zu den hinter ihm angeschlossenen Geräten. Das ist z. B. beim Anschluß von Modems wichtig, die sonst bei jedem Gebührenimpuls mit Übertragungsfehlern reagieren. Ganz legal ist es inzwischen, wenn man die TAE der Post in Ruhe läßt und per TAE-Stecker die eigene Dosenanlage anschließt.

Einen Sonderfall bildet die NF/F-Dose. Hier können zwei Amtsleitungen angeschlossen werden. Einmal N und F und einmal nur F.

Mit dem Western-Modular-Stecker, mit dem das Kabel am Gerät befestigt ist (das ist der kleine Plastikknubbel mit den vier parallelen Kontakten), gibt es eventuell auch Probleme. Bei den Geräten nach internationaler Norm unterscheidet sich die Belegung von den in Deutschland zugelassenenen (Kabelfarben wie oben):

Bei sechspoligen Western-Steckern gibt es zwei Möglichkeiten: Die beiden äußeren Pole sind unbeschaltet, die 4 Pole in der Mitte entsprechen dann der obigen Beschaltung. Sind alle 6 Pole belegt, sieht es meist folgendermaßen aus:

Im folgenden Bild sind die häufigsten Kombinationen für Adapter von TAE nach WM gezeigt.

Schließlich brät Siemens noch eine Extrawurst, wodurch sich zusammengefaßt drei Belegungen ergeben:

RJ11-Stecherbelegung654321
Telekom AG-EbaW-
Siemens-aWEb-
US-Norm-WbaE-

1.3 Kabel, Kabel, ...

Sicher haben Sie sich schon gefragt, wie die Techniker der Telekom mit den zahlreichen Kabeladern zurechtkommen. Wenn man weiß, daß die Kabeladern einer genormten Kennzeichung unterliegen, ist das Ganze kein Geheimnis mehr. Die Kabel sind meist PE- oder PVC-isolierte Kupferleiter und in Vierergruppen eingeteilt. Fünf Vierergruppen werden dann zu einem Bündel verseilt, was für maximal 10 Anschlüsse reicht. Hier unterscheiden sich die Vierer durch ihre Farbe.


Die Vierergruppen selbst haben Ringkennzeichnungen auf den einzelnen Adern:

Achtung bei Verlängerungskabeln für TAE-Stecker!
Bei Verlängerungskabeln für TAE-F-Leitungen klappt es meist. Bei TAE-N-Verlängerungen sind jedoch oft nur die Adern La und Lb weitergeführt. Aber gerade hier müssen sich in der Buchse Schaltkontakte befinden (wie bei der fest installierten TAE-Dose) und natürlich auch Hin- und Rückleitungen vorhanden sein (zusammen mit W und E muß das Kabel mindestens sechs Adern haben). Ist das nicht der Fall, sind alle hinter dem Verlängerungskabel angeschlossenen Geräte "tot".

1.4 Zusammenfassung der wichtigsten Grundregeln

Die allgemeine Anschalteerlaubnis gilt für alle Endeinrichtungen, die an die TAE-Dose angeschlossen werden können, wobei folgende Bedingungen erfüllt sein müssen:

Bei der Installation ist zu beachten:

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