Raspberry Pi: Externe USB-Platte/USB-Stick

Prof. Jürgen Plate

Raspberry Pi: Externe USB-Platte/USB-Stick

Externe USB-Platte/USB-Stick einrichten

Das Standard-Speichermedium des Raspberry Pi ist seine SD-Karte. Wenn die Kapazität der SD-Karte nicht ausreicht oder häufige Lese- und Schreibzugriffe stattfinden, können Sie einen USB-Stick oder eine externe USB-Festplatte einbinden. Der USB-Stick hat den Vorteil, dass er geräuschlos arbeitet und ohne externe Stromversorgung auskommt, jedoch auch nur eine begrenzte Speicherkapazität hat. Eine USB-Festplatte bietet dagegen eine wesentlich Speicherkapazität. Sie benötigt jedoch immer eine externe Stromversorgung, da der Raspberry Pi auf dem USB-Port nicht genug Strom liefern kann. Das Einbinden der Speichermedien erfolgt genauso wie bei jedem anderen Linux-Rechner:

USB-Geräte sollten Sie übrigens nie bei laufendem System einfach herausziehen! Das kann zu Schäden am Dateisystem führen, insbesondere, wenn gerade auf Dateien zugegriffen wird.

Das Ein- und Aushängen von Dateisystemen per Hand ist eigentlich nur bei gelegentlicher Benutzung sinnvoll - wenn man beispielsweise für einen Datentransfer einen fremden Stick anschließen möchte. Soll das USB-Speichermedium dauerhaft betrieben werden, können Sie es so ins System einbinden, dass es gleich beim Booten gemounted wird. In diesem Fall ist auch zu überlegen, ob man das Windows-Dateisystem (vfat, ntfs) nicht gleich durch ein Linux-Dateisystem (in der Regel ext4) ersetzt. Damit fällt dann auch die Gefahr weg, über das bei vfat vorhandene Dateigrößen-Limit von 4 GByte zu stolpern.

Mit dem Kommando fdisk wird die vorhandene Partition geändert (als "root"-User). Mit "p" zeigt fdisk, welche Partitionen eingerichtet sind. Die in der Regel auf dem Stick vorhandene Windows-Partition wird in eine Linux-Partition umgewandelt. Mittels "t" wird auf den Typ 83 (Linux) umgestellt und dann mit "w" die Partitionstabelle auf den USB Stick geschrieben.

Achtung: Bitte auchten Sie genau darauf, welche Platte Sie beim Aufruf von fdisk angeben. Das Ändern der Partionstabelle vernichtet alle Dateiinfos auf der Platte.

Der Vorgang sieht dann prinzipiell so aus (Listing teilweise gekürzt):


fdisk /dev/sda
Command (m for help): p
Disk /dev/sda: 32.0 GB, 32015679488 bytes
   ...

Device Boot   Start       End         Blocks   Id System
/dev/sda1     32          62530623    31265296 c  W95 FAT32 (LBA)

Command (m for help): t
Selected partition 1  
Hex code (type L to list codes): 83  
Changed system type of partition 1 to 83 (Linux)

Command (m for help): p
Disk /dev/sda: 32.0 GB, 32015679488 bytes
   ...

Device Boot    Start       End         Blocks   Id  System
/dev/sda1      32          62530623    31265296 83  Linux

Command (m for help): w
The partition table has been altered!

Calling ioctl() to re-read partition table.
Syncing disks.
Sie können alternativ die vorhandene(n) Partition(en) mit "d" löschen und eine entsprechende Linux-Partition nach oben angegebenem Muster anlegen:
Command (m for help): d
Selected partition 1

Command (m for help): n
Partition type:
   p   primary (0 primary, 0 extended, 4 free)
   e   extended
Select (default p): p
Partition number (1-4, default 1): 1
First sector (2048-15669247, default 2048):
Using default value 2048
Last sector, +sectors or +size{K,M,G} (2048-15669247, default 15669247):
Using default value 15669247

Command (m for help):
   ... (weiter wie oben)

Das Formatieren dauert nicht lange und ist mit einem Kommando erledigt:

sudo mkfs.ext4 -L USBPLATTE  /dev/sda1
# oder auch: sudo mke2fs -t ext4 -L USBPLATTE /dev/sda1  
   ...
Writing inode tables: done      
Creating journal (32768 blocks): done  
Writing superblocks and filesystem accounting information: done  
Nun kann die neue Partition schon mal probeweise gemounted werden, damit Sie auch darauf zugreifen können.
#mount /dev/sda1 /mnt  
Nun können Sie nachsehen, ob auch alles geklappt hat:
df -h
Filesystem      Size  Used Avail Use% Mounted on
rootfs          3.6G  3.4G  247M  86% /
/dev/root       3.6G  3.4G  247M  86% /
devtmpfs        235M     0  235M   0% /dev
tmpfs            49M  248K   49M   1% /run
tmpfs           5.0M     0  5.0M   0% /run/lock
tmpfs            98M     0   98M   0% /run/shm
/dev/mmcblk0p1   56M   19M   38M  34% /boot
/dev/sda1       7.4G  145M  6.9G   3% /mnt

Um eine Platte schon beim Booten einzuhängen, müssen Sie die Datei /etc/fstab erweiteren, die normalerweise nur die SD-Karten-Partitionen und das proc-Dateisystem enthält. Öffnen Sie die Datei mit Ihrem Lieblingseditor (vi, emacs, nano, ...):

proc            /proc           proc    defaults          0       0
/dev/mmcblk0p1  /boot           vfat    defaults          0       2
/dev/mmcblk0p2  /               ext4    defaults,noatime  0       1
Die einfachste Möglichkeit wäre es, das Gerät mit den oben ermittelten Optionen einzubinden:
proc            /proc           proc    defaults                  0       0
/dev/mmcblk0p1  /boot           vfat    defaults                  0       2
/dev/mmcblk0p2  /               ext4    defaults,noatime          0       1
/dev/sda1       /media/usbdisk  vfat    rw,user,umask=0,noatime   0       0
Wenn dann aber mal zwei USB-Geräte in den Buchsen stecken etc. wird unter Umständen die Plate im falschen Verzeichnis eingehängt. Deshalb ist es günstiger die Platte oder den Stick über die eindeutige UUID zuzuordnen. Dazu muss diese mysteriöse UUID aber erst einmal ermittelt werden. Dazu wird (bei eingestecktem Stick/Platte) das Kommando blkid eingegeben (auch wieder als root-User):
sudo blkid
/dev/mmcblk0p1: UUID="E0DD-55C5" TYPE="vfat"
/dev/mmcblk0p2: UUID="271ee469-0746-4824-b89b-b1e446c47ff4" TYPE="ext4"
/dev/sda1: LABEL="TREKSTOR" UUID="009D-304B" TYPE="vfat"
/dev/sda2: LABEL="USB DISK" UUID="F0E5-0793" TYPE="vfat"
(Alternativ können Sie auch die Kommandos tune2fs -l /dev/sda1 oder ls -l /dev/disk/by-uuid verwenden.)

Wie Sie sehen, habe ich zur Trekstor-Platte noch einen USB-Stick eingesteckt. Die UUID für den USB-Stick ist F0E5-0793 und der Dateisystemtyp vfat, die UUID für die USB-Platte ist 009D-304B und der Dateisystemtyp ebenfalls vfat (noch...). Die Linux-Dateisysteme haben auch eine viel längere UUID als die vfat-Systeme.

Mit diesem Wissen kann die Datei /etc/fstab erweitert werden (diesmal nur die Platte). Per Editor wird die letzte Zeile neu eingetragen und die Datei abgespeichert:

proc            /proc           proc    defaults                  0       0
/dev/mmcblk0p1  /boot           vfat    defaults                  0       2
/dev/mmcblk0p2  /               ext4    defaults,noatime          0       1
UUID=009D-304B  /media/usbdisk  vfat    defaults,rw,noatime       0       0
Die Platte wird nun beim Booten gemounted - sofern sie angeschlossen ist. Sonst kann es beim Booten etwas dauern, weil das System erst nach einigen Mount-Versuche weitermacht. Wenn Sie die USB-Platte erst im laufenden Betrieb einstecken, kann sie nun viel einfacher mit dem Kommando sudo mount -a eingebunden werden.

Falls die Angabe "UUID=009D-304B" nicht funktionieren sollte, versuchen Sie es doch einmal mit "/dev/disk/by-uuid/009D-304B2 in der Datei /etc/fstab.

Wenn Sie die SD-Karte in weitere Partitionen teilen oder einen USB-Stick nutzen, sollten Sie die oben bei der Datei /etc/fstab angegebene Option "noatime" auch für diese Partitionen verwenden. Linux speichert standardmäßig die letzte Zugriffszeit einer Datei (atime). Wenn diese Information nicht gebraucht oder nicht gewünscht wird, können Partitionen mit der o. g. Option gemountet werden. Die Speichermedien werden dadurch weniger belastet (weniger Schreiboperationen), was sich zudem in einem kleinen Performance-Schub bemerkbar macht.

Automount von USB-Sticks oder -Platten

Das Rezept des vorhergehenden Abschnitts funktioniert wunderfein, wenn der USB-Stick oder die Platte beim Einschalten des RasPi immer schon angeschlossen sind. Sonst gibt es beim Boot-Vorgang eine Pause, wenn das System versucht, die Platte einzubinden. Eine einfache Lösung wäre es, die Platte mit der Option noauto in der fstab zu definieren. Dann wird sie nicht automatisch eingehängt und kann manuell montiert werden. Das kann auf die Dauer lästig sein.

Deshalb kann ein Automount über den udev-Mechanismus installiert werden. Dazu werden zwei Dateien neu angelegt. Die erste Datei liegt im Verzeichnis /etc/udev/rules.d/ und ich nenne sie mal 99-usbmount.rules. Der Name kann beliebig sein, nur die "99-" davor und die Endung ".rules" sind wichtig:

ACTION=="add", SUBSYSTEMS=="usb", KERNEL=="sd*", RUN+="/bin/bash /usr/local/bin/mountusb mount /dev/%k"
ACTION=="remove", SUBSYSTEMS=="usb", KERNEL=="sd*", RUN+="/bin/bash /usr/local/bin/mountusb umount /dev/%k"
Die erste Zeile ist für das Einstecken des USB-Sticks zuständig, die zweite für das Abziehen. In beiden Fällen wir das Shellscript /usr/local/bin/mountusb aufgerufen, beim Einstecken mit dem Parameter "mount" und bei Abziehen mit "umount". Als zweiter Parameter wird das Device mitgegeben. Nach Erstellen der Datei muss das UDEV-System neu gestartet werden und die Datei einzubinden:
/etc/init.d/udev restart
Das Shellscript mountusb im Verzeichnis /usr/local/bin/ ist recht kurz:
#!/bin/bash
# Verzeichnis fuer den USB-Stick definieren
MountPoint=/media/usb

# Kommandozeilen-Parameter ubernehmen
ACTION=$1
DEVICE=$2

# Nun ans Werk
if [ "$ACTION" = "mount" ]; then
  # falls nicht vorhanden Mountpoint anlegen
  [ ! -d $MountPoint ] && mkdir -p $MountPoint
  # USB-Stick einhaengen, Gruppe 100 ist "users", alle
  # Mitglieder dieser Gruppe dürfen lesen/schreiben
  /bin/mount -o gid=100,umask=007 $DEVICE $MountPoint

elif [ "$ACTION" = "umount" ]; then
  # USB-Stick aushaengen
  /bin/umount -f $DEVICE
fi
Nach der Eingabe des Shellscripts nicht vergessen, es ausführbar zu machen:
chmod +x /usr/local/bin/mountusb
Nur falls das Dateisystem des Sticks nicht einwandfrei erkannt wird, muss gegebenenfalls der Typ des Dateisystems angegeben werden (normalerweise wird er automatisch erkannt). Das erreicht man mit dem Parameter -t gleich nach /bin/mount: Natürlich wird dadurch auf einen Typ des Dateisystems eingeschränkt.

Root-Filesystem auf USB-Stick umstellen

Die SD-Karten, die im Raspberry Pi als Festplatten-Ersatz dienen sind nicht für häufige Schreib-Lese-Vorgänge gedacht. Ihre Lebensdauer nimmt bei häufigen Schreibzugriffen rapide ab. Deshalb ist es je nach Anwendung mitunter sinnvoll, das Root-Filesystem auf einen USB-Stick oder eine USB-Festplatte auszulagern. Die SD-Karte wird dann nur noch zum Booten lesend angesprochen. Da reicht dann auch die kleinste Größe, weil nur noch die Boot-Partition (Typ vfat) benötigt wird. Die Umstellung erfolgt in drei Schritten:

Im ersten Schritt wird der USB-Datenträger, wie oben beschrieben, mit einem Linux-Dateisystem formatiert. Wichtig ist dabei, das die Partition das Label rootfs erhält (sudo mkfs.ext4 -L rootfs /dev/sda1).

Im zweiten Schritt muss nun der Inhalt der alten root-Partition auf den USB-Datenträger geschrieben werden. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Mann kann beispielsweise die SD-Karten-Partition mittels dd Bit für Bit kopieren (als root-User):

dd if=/dev/mmcblk0p2 of=/dev/sda1
Das dauert relativ lange, weil die komplette SD-Karte bitweise kopiert wird - auch nicht von Dateien belegte Teile. dd besitzt auch keinererlei Fortschrittsanzeige oder gibt Statusmeldungen aus. Man muss einfach warten, bis es vorbei ist.

Eine weitere Möglichkeit bietet tar, der Tausendsassa. Es werden zwei tar-Prozesse durch eine Pipe verknüpft. Einer schreibt in die Pipe, der andere liest daraus - und das natürlich in verschiedenen Verzeichnissen (als root-User):

(cd / ;tar cpf - )|(cd /mnt; tar xpvf - )
Die dritte Möglichkeit ist der Einsatz von rsync. Falls nicht schon vorhanden kann das Tool schnell mit sudo apt-get install rsync nachinstalliert werden. Das Kommando lautet (als root-User):
rsync -axv / /mnt
Egal mit welchem Tool Sie kopieren, es wird etwas dauern - nur nicht ungeduldig werden (nein, auch nach einer halben Stunde nicht).

Im dritten Schritt muss der Raspberry Pi so konfiguriert werden, dass er nicht mehr von der SD-Karte sondern vom USB-Datenträger bootet. Dazu wird zuerst die Datei /boot/cmdline.txt bearbeitet. Da es sich um eine doch recht wichtige und kritische Systemdatei handelt, machen Sie zuerst ein Backup:

sudo cp /boot/cmdline.txt /boot/cmdline.orig
Nun tauschen Sie die bisherige Bootpartition /dev/mmcblk0p2 gegen die neue Partition /dev/sda1 aus. Die Datei besteht nur aus einer langen Zeile. Sie laden Sie in Ihren Lieblingseditor und suchen nach der Zeichenkette "root=/dev/mmcblk0p2" Dort wird dann "mmcblk0p2" durch "sda1" ersetzt. Zur Sicherheit wird noch ein weiterer Befehl angehängt, denn es kann vorkommen, dass bei Einschalten der USB-Datenträger etwas länger braucht, bis er gemounted und bereit ist. Er wird daher ein Delay von 5 Sekunden festgelegt. Sie können dann testen, ob das Booten auch mit einem kürzeren Delay (oder gar ohne) stabil funktioniert. Die Zeile sieht dann so ähnich aus wie folgt (wegen der Länge umbrochen, Änderungen in rot):
dwc_otg.lpm_enable=0 console=ttyAMA0,115200 kgdboc=ttyAMA0,115200 ↵
  console=tty1 root=/dev/sda1 rootfstype=ext4 ↵
  elevator=deadline rootwait rootdelay=5
(Wenn Sie schon die serielle Konsole deaktiviert haben, ist die Zeile ggf. kürzer.)

Schussendlich muss der USB-Datenträger auch noch in der Datei /etc/fstab als Root-Filesystem eingebunden werden (der alte Eintrag wurde mit "#" auskommentiert). Achtung: NICHT die Datei /etc/fstab auf der SD-Karte, sondern die auf dem USB-Datenträger!

proc            /proc           proc    defaults          0       0
/dev/sda1       /               ext4    defaults,noatime  0       1
/dev/mmcblk0p1  /boot           vfat    defaults          0       2
#/dev/mmcblk0p2  /               ext4    defaults,noatime  0       1
Nun sollte ein Reboot klappen. Übrigens sieht man an der "ACT"-LED nicht mehr viel, sie zeigt nur Aktivitäten auf der SD-Karte an. Manche USB-Stick haben eine eigene LED als Aktivitätsanzeige, woran man dann den Bootvorgang beobachten kann. Ich habe als Anzeige den Heartbeat eingeschaltet, an dem man erkennt, wann der RasPi fertig mit dem Booten ist. Die LED blinkt dann schön regelmäßig (siehe RasPI_OnboardLED.html). Nach dem Reboot sieht man dann mit dem df-Kommando, dass die neue Root-Platte eingebunden wurde:
df -h
Filesystem      Size  Used Avail Use% Mounted on
rootfs          7.4G  1.6G  5.5G  22% /
/dev/root       7.4G  1.6G  5.5G  22% /
   ...


Die neue Root-Partition verschwindet fast im Stecker des RasPi

Alternativ zur Plattenbezeichung (in den vorausgegangenen Beispielen /dev/sda1) können Sie auch hier die UUID verwenden. Angenommen, die USB-Platte habe die UUID "5ee42379-50c6-4c1a-a34a-0043bb0eb18d", dann sieht in der Datei /etc/fstab auf dem USB-Datenträger der Eintrag folgendermaßen aus:

proc            /proc           proc    defaults          0       0
UUID=5ee42379-50c6-4c1a-a34a-0043bb0eb18d       /               ext4    defaults,noatime  0       1
/dev/mmcblk0p1  /boot           vfat    defaults          0       2
#/dev/mmcblk0p2  /               ext4    defaults,noatime  0       1
(Auch hier kann gegebenenfalls statt "UUID=" der Pfad "/dev/disk/by-uuid/" verwendet werden.)

Die UUID muss dann natürlich auch in der Datei /boot/cmdline.txt auf der SD-Karte eingetragen werden:

dwc_otg.lpm_enable=0 console=ttyAMA0,115200 kgdboc=ttyAMA0,115200 ↵
  console=tty1 root=UUID=5ee42379-50c6-4c1a-a34a-0043bb0eb18d ↵
  rootfstype=ext4 elevator=deadline rootwait rootdelay=5

Mit der Root-Partition auf einen USB-Datenträger ergeben sich etliche Vorteile:

Die Datei /etc/fstab

In dieser Datei werden alle Partitionen/Dateisysteme festgelegt, die beim Bootvorgang automatisch eingebunden werden sollen. Hier kann man auch Mountpoints für CD-ROMS oder USB-Sticks festlegen, die dann automatisch verwendet werden, wenn eine CD eingelegt oder ein USB-Stick eingesteckt wird. Die Definitionen werden zeilenweise angelegt und durch Leer- oder Tabulatorzeichen in sechs Abschnitte unterteilt: Dateisystem, Mountpoint, Typ, Optionen, Dump und Pass. Zum Beispiel:

# Dateisystem  Mountpoint  Typ  Optionen  Dump  Pass
  /dev/sda1        /       ext4 defaults    0     1
Folgende Beispiele zeigen die Verwendung. Die einzelnen Abschnitte werden anschließend erläutert.

# Verwendung eines Labels
LABEL=root  /  ext4  defaults  0  1

# Verwendung der UUID
UUID=7388c376-7a04-4242-abcd-d3d4021d536a  /  ext4  defaults  0  1

# Verwendung der Gerätedatei
/dev/sda1  /  ext4  defaults  0  1

In den Beispielen wurde jeweils defaults als Option verwendet, für weitere Informationen siehe Optionen.

Dateisystem

Das Dateisystem wird entweder durch ein Label, die UUID, die Gerätedatei oder ein weiteres definiertes Stichwort spezifiziert:

Mountpunkt

Der Mountpunkt bestimmt, an welcher Stelle im Verzeichnisbaum das Dateisystem eingehängt wird. Hier gibt es einen Konsens, basierend auf dem Filesystem Hierarchy Standard (FHS). Dateisysteme, die nur temporär eingebunden werden, legt man direkt unter /mnt ab. Auch, wenn das Verzeichnis /media laut FHS Unterverzeichnisse für Wechseldatenträger wie z. B. USB-Sticks oder SD-Karten vorgesehen ist, ist dort ein dauerhaftes Mounten von zusätzlichen Festplatten immer noch besser, als diese unter /mnt einzuhängen. Darüber hinaus kann man im eigenen home-Verzeichnis Unterverzeichnisse als Mountpunkte erstellen und weitere Festplatten dort einhängen. Bei Servern ist es vielfach üblich, /, /var und /home als getrennte Dateisysteme (Partitionen) zu verwenden und diese in der fstab auch so zu definieren.

Typ

Zum Mounten (deut. "montieren")eines Dateisystems muss dessen Typ angegeben werden. Es besteht ausserdem die Möglichkeit der automatischen Typ-Erkennung. Durch die Verwendung von FUSE (zum Beispiel SSHFS) können weitere Optionen verfügbar werden. Hierzu ist die Dokumentation des jeweiligen FUSE-Moduls konsultieren.

Typ Verwendung/Bezeichnung Bemerkung
auto Standardwerte setzen Automatische Erkennung des Dateisystems
ext2/3/4 ext-Dateisysteme Bei Verwendung von ext2, ext3, oder ext4
iso9660 CDs und DVDs Dateisysteme nach ISO 9660-Level 2 und 3
udf meist DVDs Ablösung von ISO 9660
jfs Journaling File System Vor allem für LVM interessant
nfs NFS-Shares einbinden Verwendung für das Network File System
ntfs/ntfs-3g Microsoft NTFS ntfs-3g bietet Schreibzugriff
reiserfs Reiser FS Für das Einbinden von Reiser FS 1 bis 3
swap Swap-Partitionen Kein direkter Dateizugriff möglich, nur Swap
ramfs Ramdisks 
tmpfs Ramdisks nutzt im Gegensatz zu ramfs auch den Swap-Platz
vfat Microsoft FAT 12/16/32 Meist auf USB-Sticks verwendet
xfs XFS Häufig bei NAS-Lösungen oder HDD-Recordern
btrfs B-tree FS Noch in der Entwicklung/im Betastadium

Der Typ auto sollte nur bei Wechseldatenträgern zur Verwendung kommen, bei denen man sich nicht sicher sein kann, welches Dateisystem verwendet wird.

Optionen

Die Optionen steuern den Zugriff auf das jeweilige Dateisystem. Mehrere Optionen werden durch Komma getrennt (ohne Leerzeichen!).

Angabe einer user mask für den Zugriff - siehe Kommando umask.
Option Wirkung
defaults Setzt rw, suid, dev, exec, auto, nouser und async
dev/nodev Gerätedateien auf dem Dateisystem werden interpretiert/nicht interpretiert.
exec/noexec Das Ausführen von Dateien wird erlaubt/verboten
gid Definition der Gruppen-ID mittels gid=users
uid Definition der User-ID mittels uid=benutzername
suid/nosuid Das SUID-Bit wird berücksichtigt/nicht berücksichtigt.
auto/noauto Der Datenträger wird automatisch beim Booten eingehängt oder nicht.
ro/rw Nur Lesezugriff bzw. Lese- und Schreibzugriff möglich.
sw Verwendung als Swap-Dateisystem.
sync/async Es wird alles direkt auf den Datenträger geschrieben (sync) bzw. der Cache verwendet (async).
user/nouser Jeder Benutzer darf das Gerät einhängen (user) bzw. es darf nur root (nouser). Aushängen darf immer nur der Benutzer, der das Gerät eingehängt hat.
users Jeder Benutzer darf das Gerät einhängen und aushängen.
umask=000
noatime und nodiratimeKeine Protokollierung von Zugriffszeiten für Dateien oder Verzeichnisse in der Inodetabelle speichern. Dies reduziert die Datenträgerzugriffe. Empfehlenswert für SSDs und SD-Karten.
errors=remount-ro Bei auftretenden Fehler im Betrieb wird das Dateisystem im Read-Only-Modus neu eingebunden.
noauto,x-systemd.automount Automatisches Einbinden durch systemd beim ersten Zugriff.

Dump

Die Dump-Anweisung steht heute auf 0 und wurde ursprünglich zu Backup-Zwecken verwendet. Auf aktuellen Systemen gibt es zuverlässigere und schnellere Datensicherungsmethoden, so dass dieser Wert immer auf 0 gelassen werden sollte.

Pass

Die Pass-Anweisung wird vom Dateisystem-Test ausgewertet und definiert, in welcher Reihenfolge die Dateisysteme geprüft werden sollen:

Verwendet man mehrere Datenträger und möchte man diese alle überprüfen lassen, kann man bei allen Datenträgern das Feld "Pass" auf 1 stellen. Diese Datenträger werden dann parallel geprüft (Zeitersparnis). Sind mehrere Dateisysteme auf demselben Datenträger mit 1 markiert, werden diese in der Reihenfolge ihrer Position auf dem Datenträger abgearbeitet.


Copyright © Hochschule München, FK 04, Prof. Jürgen Plate
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